Dienstag, 14. Oktober 2014

Last but not least: Äthiopien für Insider

Schon beim Essen im Abessynia habe ich mit Melkamu besprochen, dass wir heute einen Markt in der Nähe seines Hauses besuchen wollen. Wir starten am späten Vormittag, nachdem Melkamu noch einen Einkaufsauftrag ausführen muss.
Wir müssen mehrfach den Minibus wechseln, denn der Markt und Melkamus Haus liegen völlig am anderen Ende der Stadt, einmal quer durch. Das Verkehrsaufkommen ist heute riesig, die Menschenschlangen vor den Minibussen länger als gewöhnlich. Natürlich freut Melkamu sich auf einen Besuch zu Hause, ist er doch junger Vater. Deshalb ist die Priorität natürlich klar: Zuerst zu Melkamu und seiner Frau, deren Vater ebenfalls zu Besuch ist. Tedj, Injera, Bunna – volles Programm, der kleine Joseph, 2,5 Monate alt mitten drin. Ein sehr unterhaltsamer Mittag/früher Nachmittag. Die jeweiligen sprachlichen Fähigkeiten bieten wenig Überschneidungen, so dass für die Kommunikation Erfindungsreichtum gefragt ist. Aber es klappt irgendwie.
Anhand des traditionellen Gewandtuches vom Papa können wir nun ziemlich genau umschreiben was wir für uns mitnehmen wollen, mit diesen Erkenntnissen ziehen wir am Nachmittag gesättigt und von Tedj angeduselt auf den Markt. Schola heißt der Markt, er ist größtenteils überdacht und sehr gut sortiert. Stände mit 5-6 verschiedenen Sorten Weihrauch, 8 – 10 Sorten rohen Kaffeebohnen sind keine Seltenheit, wunderbare Gewürzshops und sehr viele Tuch- , Gewand- und Kleidershops haben ein prächtiges Angebot mit einer außergewöhnlichen Vielfalt an Farben. Insgesamt macht der Markt einen relativ sauberen und gut sortieren Eindruck und auch preislich ist hier alles normal. Ein Beispiel: Während man uns auf dem Merkato 1 kg Kaffeebohnen für 250 Birr angeboten hatte liegt die Ware hier zwischen 90 und 125 Birr. Zu Qualität kann ich natürlich nichts sagen, aber die Preisspanne finde ich schon unnormal.
Wir finden ein schönes Gewandtuch, das die Qualitätsprüfung übersteht. Man muss schon auf Webfehler und ordentliche Nähte achten. Am Preis wird noch etwas gefeilscht, dann Handschlag und alles topp.
Die Rückfahrt wird chaotisch, das Verkehrschaos ist schlimmer geworden. Sehr viel Gehupe, sehr viel Stillstand, wir kommen nur schleppend voran. An der letzten Umstiegsstelle müssen wir über eine halbe Stunde warten, die Schlange ist einfach so lang geworden und eine Alternative gibt es kaum, bloß das deutlich teurere Taxi.


Auch diesmal wieder nur sehr zögerliches Vorankommen und wir erleben wieder diese Eigenart der äthiopischen Verkehrsteilnehmer zu glauben dass das Lich die Batterie belasten würde. Die Autos schalten ihr Licht erst an wenn es wirklich nicht mehr anders geht.
Ein Unfall am letzten Kreisverkehr macht das Chaos noch perfekt, wir kommen erst im Dunkeln an der Station Jamo (Mini-Merkato vom ersten Tag) an und befürchten vielleicht kein Bajai mehr zu bekommen, aber Gott sei Dank fahren sie noch. So ein Ding entwickelt mit seinem Scheinwerfer weniger Licht als ein Fahrrad mit Dynamo. Mit diesen lausigen Sichtverhältnissen brettern die Dinger durch den Straßenverkehr, man mag sich gar nicht ausmalen was dabei so passieren kann.
Glatte 2,5 Stunden benötigte die Fahrt von Scholaa nach Hause, die Pizza ist leider kalt. Egal, diesen Tag kann so etwas nicht trüben…

Montag, 13. Oktober 2014

Mototour 5 / Holeta, Genesha

Im Gespräch haben wir am vorigen Abend noch festgestellt, dass wir auf der gestrigen Tour ein Highlight übersehen haben. Es gibt noch einen Menegesha Born free Tierpark. Also wieder Richtung Holeta, allerdings vorher abbiegen und das Motorrad abstellen.
Der Tierpark bemüht sich um sehr naturnahe Unterbringung der Tiere: Paviane, Meerkatzen, Gibbons, Löwen, Geparde, Riesenschildkröte und Adler befinden sich in eingezäunten Gehegen oder riesigen Maschendrahtkäfigen inmitten unberührter Natur. Das macht es zum Teil etwas schwieriger, die Tiere zu sichten, aber dafür geht es den Tieren entsprechend gut. Da ist nichts asphaltiert, ein Guide führt und durch die Pampa zu den einzelnen Gehegen bzw. Käfigen. Toll, vorbildlich.
Nach dem Tierpark fahren wir die Bundesstraße zurück, verlassen sie aber auf halber Strecke rechts ab um zum Genesha Reservoir zu kommen. Dort soll man sehr schön Töpferwaren kaufen können. Davon nehmen wir wenig wahr. Allerdings werden wir von der Polizei angehalten. Der will die License sehen. Ich fummel dem irgendwas aus der Mappe, die Frank mir zum Motorrad mitgegeben hat. Das irgendwas hat Franks Foto aufgeklebt, ich glaube das ist Franks Führerschein. Ist mir auch egal. Ich hab grad Verständigungsschwierigkeiten und der Polizist forscht denn auch nicht weiter nach. Er gibt bloß noch zu verstehen dass ich das Licht an habe. Ich erläutere ihm, dass ich damit ja wohl besser gesehen werde und dass ich das in Ordnung finde. Er aber nicht, ich soll das aus machen. Na gut, ich kanns ja 2 Ecken weiter wieder an machen. Frank erklärt später, dass die Äthiopier Angst haben, mit eingeschaltetem Licht die Batterie zu schrotten.
Im weiteren Verlauf kommen wir durch einen größeren Ort. Gleich zu Beginn ist offensichtlich die Metzgerstraße, jede Menge Metzgereien reihen sich hier aneinander. Das fällt deshalb so auf, weil die die Knochen einfach am Straßenrand deponieren und aufhäufen, das stinkt alles fröhlich vor sich hin. Eklig. Erstaunlich bloß, dass die Hunde dort nicht in Herrscharen herumlungern. Der Ortsteil ist praktisch Hundefrei, keine 100 m nach der letzten Metzgerei liegen die Hunde faul am Straßenrand. Erstaunlich…
Ich verlasse kurz die Hauptstasse in eine Stichstraße, dort ist rges Geschäftstreiben, das möchte ich zumindest vom Motorrad aus ansehen. Wegen einsetzendem Regens legen wir eine Kaffeepause ein. Es wird bald wieder besser, ich bewege das Mopped die Einkaufsstrasse zurück und oben an der Straße wieder in die gleiche Richtung wie vorher in de Hoffnung dass sie nach Addis Abeba führt. Tatsächlich treffen wir bald auf die Ringroad, die uns schnell nach Hause führt.
Vom Balkon aus können wir die forgesetzen Feiern zu einer Hochzeit in der Nachbarschaft beobachten und akustisch deutlich wahrnehmen.
Bei Frank sind beide Kinder erkrankt, das sorgt ein bißchen für Aufregung bei den besorgten jungen Eltern. Ich würde gern traditionell Essen gehen, mit Tanzvorführungen. Frank fährt uns deshalb ins Abessynia und Melkamu darf mit. Er ist das erste Mal in so einem vornehmen Restaurant und ist sehr aufgeregt. Bei den Tänzen kommt er aus dem Staunen nicht mehr heraus. Deshalb muss ich ihn nach 2,5 – 3 Stunden fast aus dem Restaurant herausprügeln. Natürlich ist es stockdunkel und nicht wirklich angenehm, durch die Stadt zu laufen. Die Taxis durchkreuzen die Stadt auf der Suche nach Fahrgästen. Neben uns macht eines halt, wir haben wohl das zweifelhafte Vergnügen, das älteste, schlechterhaltenste Taxi auf Gottes Erden neben uns stehen zu haben. Es beginnt das übliche Gefeilsche um den Fahrpreis, Melkamu macht seinen Job sicher nicht schlecht. Letztendlich steigen wir ein. Die Reifen laufen unrund, die Beleuchtung dient eher der Sternensuche, innen tut es keine einzige Leuchte, das Armaturenbrett ist stockfinster. Der Motor ist etwas schwach auf der Brust, ob wohl alle Zylinder korrekt am Werk sind? Eher nicht, ich tippe auf 2 von 4 Zylindern. Gott sei Dank ist es dunkel, richtig dunkel, ich möchte nicht wissen, welchen Zustand Sitze und Karosserie haben. Irgendwie bringt uns das Ding allerdings bis vor die Haustür.

Ein feiner Abend!

Mototour4 / Menegesha

Menegesha ist ein kleiner Nationalpark sehr nah westlich an die Hauptstadt anschließend. Den wollen wir heute mit dem Mopped ein mal umrunden. Das ergibt sich ganz gut, Melkamu ist heute morgen zu einer Hochzeit aufgebrochen und deshalb als Guide nicht verfügbar.
Das Mopped wird startklar gemacht und auf geht es in Richtung Sebeta. Der Verkehr ist relativ ruhig. Hinter Sebeta sollte es rechts ab gehen. Ich finde eine straße, die es sein könnte, lande aber in einer Sackgasse: Anlieferungen für eine Brauerei. Also zurück auf die Hauptstraße, nächste Straße rechts, auch hier dasselbe Spiel. Bloß dass hier das Verwaltungsgebäude der Brauerei steht. Ich frage Einheimische nach dem Menegesha Forest. Aus dem afrikanischen Englisch verstehe ich: Zurück, rechts, 1km, rechts. Naja, eh schon praktizierte Taktik. Pech bloß, dass auf den nächsten 3 km Hauptstraße keine vernünftige Straße kommt. Also frage ich die Wächter ines Fabrikgeländes. Zurück, 2 km, links.
Nnnnaaajaaa…
Ich ändere die Taktik und frage alle 500 Meter. Ein paar Jugendliche zeigen aufgeregt in eine kleine Stichstraße, am Ende links. Gott sei Dank habe ich ein Geländemotorrad unter meinem Gesäß und kann deshalb auch die Stichstraße bewältigen. Aber allenfalls im Schritttempo, denn die Straße gleicht eher einer Baustelle. So kommen wir im Endeffekt auf die Menegesha Suba Forest Road. Sie ist breit und aus festgefahrenem Lehm. Solange kein Regen gefallen ist, ist ja fast alles in Ordnung, aber die letzte Regenzeit ist noch nicht lange her und in den letzten 3 Wochen hat es auch immer mal wieder ordentlich geschüttet. Es gibt daher die ein oder andere schlammige Passage.
Die abgetrockneten Abschnitte der Straße fahre ich im 3. oder 4. Gang bei niedrigem Tempo denn die Straße ist doch reichlich uneben. Rechts und links stehen viel Häuschen meist diese lehmverkleideten Einfachbauten. Obwohl wir noch recht nah an der Hauptstadt sind fühlt man sich hier bereits weit draußen. Die Kinder schreien wieder moneymoneymoney. Es nervt.
Der Weg führt nach einigen Kilometern in eine kleines Waldstück, macht einige Kurven, dann deutet ein Schild zum Menegesha Forest Exhibition Center. Wir folgen dem Schild, der Weg führt steil bergauf, eine Pfütze unterschätze ich, sie ist ziemlich tief. Ich komme heil durch aber nur mit schnellem Füße hoch ziehen.
Ich stelle das Motorrad ab, nun heißt es zu Fuß weiter gehen. Der Wald ist ziemlich urtümlich, hier stehen ziemlich alte und hohe Bäume. Eukalyptus, aber auch andere. Als erstes Tier ist etwas Rehähnliches zu sehen, dann ein ziemlich großer Schmetterling. Hier und da begleitet uns ein lautes Pfeifen das vornehmlich aus moosbewachsenen Bäumen kommt. Vermutlich eine Art Grille.
Wir bekommen gelbe Vögel, grüne Paviane, ein Warzenschwein und einiges an undefinierbaren Fußspuren zu Gesicht. Nach gut 4 Stunden steigen wir wieder aufs Mopped und fahren weiter, wieder auf den ursprünglichen Weg, der am nördlichen Ende in Holeta raus kommt.

Ich nehme die Bundesstraße Richtung Addis Abeba unter die Räder, sie ist sehr gut ausgebaut. Ich verpasse die kürzere Strecke nach Hause und so führt mich der Weg durch den Nordwesten der Hauptstadt, was bei den heute herrschenden ruhigen Verkehrsverhältnissen kein Problem darstellt. 

Zwangspause

Zwangspause in zweierlei Sicht: Das Netz ist über 3 Tage ausgefallen, daher konnte ich keinen Blog schreiben.

Und außerdem:
Es klappt halt nicht immer so wie gedacht oder gehofft. Geplant war, mit Melkamu auf einen kleinen Markt zu fahren und anschließend bei ihm zu Gast zu sein. Allerdings sind am Morgen Bauarbeiter gekommen, die hier Arbeiten zu verrichten hatten. Im Laufe des Vormittags ging es mir zusehends schlechter, ich hatte Magen-Darm-Probleme. Aus einer Mittagspause wurde ein Schlaf über den kompletten Nachmittag. Am Abend ging es mir wieder besser, ich hab wieder was zu mir genommen. 

Freitag, 10. Oktober 2014

Noch einmal Merkato

Weil es so schön war. Allerdings verzögert sich die Abfahrt und so bleibt nur wenig Zeit, die Einkäufe zu erledigen und gleichzeitig noch ein wenig zu shoppen. Insbesondere die Souvenir-Abteilung und die Stoffabteilung wird unter die Lupe genommen. Melkamu hat den Auftrag, eine Röstpfanne für Kaffeebohnen zu besorgen. Kurz nachdem er sich mit einem Händler einig geworden ist und wir wieder in Gruppe zusammen stehen kommt ein etwas aufdringlicher Bettler dazu. Melkamu bedeutet ihm zu gehen, er folgt nicht dieser Aufforderung, also wird prompt die Pfanne eingesetzt um dem Bettler ein paar auf die Finger zu geben. Die Leute drumherum sehen es mit einem Schmunzeln…

Ein paar Halstücher erstehen wir noch, mehr geht heute nicht, schließlich hat Asni Geburtstag und es soll was Leckeres auf den Tisch, da kann man nicht zu spät kommen. 

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Mototour 3 - Debre Zeyt

Zeit für einen Ausflug! Wie immer: Pläne zerfallen in Nichts wenn es denn nicht sein soll. Zunächst war das Ziel Holeta, da wo Frank arbeitet. Dort hätte man mal das Mopped bewacht abstellen und sich durch ein äthiopisches Dorf zu Fuß bewegen können.
Aber Frank ist heute entgegen ursprünglicher Planung nicht in Holeta, also macht das keinen Sinn. Neues Ziel: Debre Zeyt. DAS Ziel der reicheren Hauptstädter, Naherholungsgebiet sozusagen. Das Mopped wird vollgetankt und los geht es. Ab auf die Ringroad, 2. Kreisverkehr 1. Ausfahrt raus und dann immer geradeaus. Was sich so einfach anhört entpuppt sich wegen des Mordsverkehrs als pures Abenteuer. Mordsverkehr deshalb, weil so viele Fahrzeuge hier entlang wollen. Zum einen ist hier wichtige Industrie ansässig, zum anderen ist das eine wichtige Fernstrecke, im Endeffekt nach Djibouti, dem einzig möglichen Seehafen für Äthiopien.
Alles nicht so wild, wenn dieser Verkehr denn mal voran kommen würde, das lassen aber die Straßenverhältnisse nicht zu. Die Bundesstraße 4 hat in diesem Abschnitt teilweise den Zustand eines schlechteren Feldweges, allerdings so breit dass 3 LKW nebeneinander fahren können und das zeitweise auch tun. Ein Gewimmel, jeder versucht, die tiefsten Schlaglöcher zu umfahren, Busse, Minibusse, LKW, PKW, Bajaj – jeder versucht der Schnellste und schlauste zu sein und den anderen auszutricksen, so versucht die Masse voran zu kommen. Das Schlimmste: Die Abgase und der Staub. So etwas wie Katalysatoren oder Dieselrußpartikelfilter ist hier völlig unbekannt, aufgrund der Höhe müssen die Motoren eh fett eingestellt werden und blasen ein Zeugs aus dem Auspuff, da müsste eigentlich alle 2 Monate der Schornsteinfeger ran…
Rechts und links ist im wesentlichen Industrie angesiedelt, entsprechend ist der Lieferverkehr dimensioniert. Hier biegt einer ab, da kommt einer die Einfahrt raus. Das Gewimmel ist gewaltig.
Nach 15 km wird es ruhiger, auch die Straße wird besser. Wir überqueren die ehemalige Bahnstrecke nach Djibouti die seit vielen Jahren stillgelegt ist. Man hat es nicht mal für nötig befunden, die Gleise zu entfernen oder zu bedecken, im Gegenteil. Die Rillen sind dermaßen ausgelutscht dass die Fahrzeuge nur noch langsam darüberrumpeln können ohne Schäden davon zu tragen. Etwas später: Baustelle, hier wird eine sechsspurige Autobahn gebaut. Das ist ja mal was Vernünftiges und könnte in ein paar Jahren mal die Bundesstraße entlasten.
Wir kommen nach Bishoftu/Debre Zeyt. Die Straße ist hier mit Palmen gesäumt, rechts und links werden Blumen und Pflanzen verkaft, es ist relativ sauber. Das ist ja mal angenehm.
Aber was ist das? Das Mopped hüpft zunehmend und regelmäßig proportional zur Geschwindigkeit. Vorne. Der reifen hat kaum noch Luft, fast platt mit fortsetzender Tendenz Richtung ganz platt. Um nicht weiter zu gefährden beende ich die Fahrt und stelle das Mopped am Straßenrand ab. Ich suche jemand der englisch versteht und spricht, zumindest bröckchenweise. In den größeren Städten funktioniert das meistens, warum nicht hier? Ich deute auf Mopped, den Reifen, der Äthiopier marschiert mit mir los, keine 250 m weiter ein Reifenreparaturunternehmen. Toll! So eine Werkstatt ist eine 2x2 m. große Wellblechhütte, vor der Hütte liegen als fachmännischer Ausweis ein Stapel abgewetzter LKW-Reifen, das Firmenschild sozusagen. Ich mache dem Cheffe klar, dass ich ein Mopped mit einem Platten hab und in ein paar Minuten da sein werde. OK. Also zurück, Mopped holen. Zu zweit machen sie sich zu schaffen und stellen fest, dass kein größerer Imbusschlüssel da ist, der nötig wäre, um die Vorderachse zu demontieren. Das Bordwerkzeug!!! Es wird gesucht und in einer kleinen Box gefunden, gibt aber keinen Imbus her. Also wird beschlossen, den Schlauch so rauszufummeln. Ich ziehe das Mopped auf den Seitenständer und drücke hinten, so ist das Vorderrad in der Luft. Zackzack mit 2 Schraubenziehern ist der Mantel runter. Probleme bereitet das Ventil, die Kontermutter ist fest. Etliche Maulschüssel, Zangen und ähnliches wird herangeschleppt, irgendwann ist auch das Problem durch. Mittlerweile hat einer eine Holzschemel herbeigebracht um das Mopped unterm Motor aufzubocken. Zeitweise sind 6 Mann mit der Reparatur beschäftigt, jeder weiß einen Kommentar, jeder weiß es besser, alle fummeln mit. Bald ist der Schlauch draußen. Nun kommt die Fehlersuche. Die 200l-Wanne Wasser, die für solche Fälle bereit steht, kann nicht herangeschafft werden, das Mopped nicht darüber gehalten werden. Also: Schlauch voll Luft und irgendwo zwischen 8 und 12 Hände fühlen nach der Schadstelle als würde der Finder reich belohnt. Ziemlich in der Nähe des Ventils ist eine Schweißstelle im Schlauch auf 2 mm aufgeplatzt, die Luft entweicht schnell. Die Stelle wird aufgerauht, dafür eignet sich ein altes Sägeblatt. Aus einem alten Stück Schlauch wird ein Flicken maßgeschneidert, reichlich Vulkanisierzeug drauf, der Schlauch über einen Vorschlaghammer gelegt und mit sanften Hammerschlägen festgekloppt. Luftprobe, alles in Ordnung, Schlauch hält. Nu wieder rein damit. Auch das ist ein schwieriges Unterfangen, weil die Kollegen das Felgenband so verschoben haben, dass es nun das Ventilloch verdeckt. Das ist für einen Äthiopier so schnell nicht fassbar und so fummelt der Kerl noch etwas rum Irgendwann ist alles wieder an Ort und Stelle, Schnickschnackschnuck, feddich. Man bedeutet mir noch, dass jetzt 2,3 bar in dem Reifen sind. Nu muss das alles ganz genau, oder wie??? Ich bin ja froh, dass überhaupt alles wieder in Ordnung ist! Ich frage nach dem Preis, schließe die Augen und bereite mich geistig-seelisch auf den Forengie-Notfall- Super-Dumping-Preis vor. Ich höre fifteen Birr und reiße die Augen wieder auf. Hää?? Nochmal…  fifteen Birr. Wie jetzt Freunde, das sind 6 Cent??!! Ok, ich bin ja großzügig und gebe 20 Birr, ernte fast einen Kniefall. Nun noch die anderen Jungs, die Hauptakteure sozusagen, sie lehnen das Trinkgeld aber kategorisch ab. Na gut. Ihr habt es so gewollt! Vielen Dank auf jeden Fall!!!
Wir können die Fahrt fortsetzen und such den Bishoftu-See. Man kommt an die Seen hier nicht direkt ran. Also ab in ein Restaurant, ein Kaffee eine Kola und dann einen Tisch mit Blick auf den See. Ein Kratersee, vermute ich, er liegt einige Meter unter uns friedlich da. Zwischen den baumbewachsenen Hängen drumherum fliegen blaue Vögel, Seidenreiher, Möwen und andere Vögel umher, aber so weit weg, dass wir sie nur aus der Ferne bestaunen können.
Schöner noch ist es am Hora-See, von meiner ersten Reise kenne ich noch den Club der äthiopischen Airforce. Ich fahre einfach rein und die Wächter weisen mir gleich einen Parkplatz. Ein paar Schritte und das Paradies liegt vor uns. Wunderschön liegt der See in der Landschaft. Im Laufe der Zeit machen wir Milan, ganz oben möglicherweise Adler, Seidenreiher, Kormoran, Nektarvogel, Pelikan und Wasserhühner mit einem Jungvogel aus. Außerdem entdecken wir Webervogelnester. Bei Limo genießen wir den Sonnenschein.
Weiter geht es zum Chaklaka-See, der nur zur Regenzeit mir Wasser gefüllt ist. Weiter hinten sind ganze Schwärme von Vögeln auszumachen, sicht- und erkennbar ist nur eine Gänseart und ein Schwarm mit diesen blauglänzenden Vögeln.
Zurück führt die Straße wieder über Bishoftu/Debre Zeyt.
Soll ich das Gewimmel und Gewühl vor Addis Abeba nochmal beschreiben? Die Staubschlacht? Den Wahnsinn? Wir kommen jedenfalls gut durch und stellen das Motorrad zu Hause ab.

Erlebnis pur!!

Ausruhen darf sein...

Der Tag beginnt ruhig. Das schöne Wetter lädt ein einfach mal in der Sonne zu sitzen, zu faulenzen und Kraft zu sammeln für das vor uns liegende.
So ganz ohne halten wir es dann doch nicht aus und beschließen, die kleine Kirche, die wir links aus dem Zimmerfenster sehen, anzulaufen. Dabei schlängelt sich der Weg durch das, was da mal Häuser werden will. Eine Baustelle nach der anderen, überall wurden die Bauten angefangen, hier und da wird mal was gemacht aber grundsätzlich liegen hier mehr Baustellen still als dass sie in Betrieb sind. Offensichtlich gibt es keine Fertigstellungsfristen, wenn Geld da ist wird mal wieder gebaut. Es macht wohl keinen Sinn Geld liegen zu haben, Kredite sind wohl auch nicht wirklich die Lösung. Anders kann ich mir das nicht erklären. Auf der Anhöhe können wir Richtung Süden ins Land schauen, weiter oben haben wir einige Blicke auf Addis Abeba aus einer anderen Perspektive als vom Entoto aus.

Oben die Kirche ist nicht sooo die Attraktion, Kirche halt. Wir laufen auf der Nordseite des Hügels durch Eukalyptusbäume wieder runter und kommen am Safeway Supermarkt heraus, wo wir einige Dinge erstehen: Kekse, Kaffee, usw.